Der Gestank bunter Gedanken

Prämisse 1: Beim aufwachen strömen unzusammenhängende Laute, Worte, Sätze durch meinen Schädel. Das ist schon seit ein paar Wochen so. Mal denke ich dann: »Blau sind alle Hörner des Teufels.« oder »Vergessenheit schielt nach den fauligen Phalloi aller alten Staatsmänner, da sie auf dem Friedhof verrotten.«
Es gibt (wenigstens scheint es so) kein Schema, keinen Traum dem die Gedankensätze, diese Wortgefetze folgen.

Prämisse 2: Auf der Straße sieht man dann uniforme Frauen in den immer gleichen farbenfrohen Gewändern, die betonen sollen: Ich bin einzigartig. Lässig über die Schulter geworfen eine spießige Ledertasche, die – vermute ich – noch immer Messenger-Bag genannt wird, eigentlich aber zu einem strengkatholisch-denkenden Deutschlehrer gehört. Anmut und Schönheit, wollen diese Frauen ausstrahlen und gleichzeitig, leicht-ironisierend mit dem Lehrer-Mief von 1988 kokettieren.

Konklusion: Meine Gedanken, die (das muss zu meiner Verteidigung gesagt sein) ganz von alleine kommen und fließen, sind ähnlich altbacken-kokett wie die Taschen der Buntmädchen. Sie miefen von Kitsch und blümerant-braun-farberhaltender Waschkraft. Sie sind betont jugendlich (manchmal auch nicht-jugendfrei und damit jugendlicher als alles andere) und unsinnig.