{"id":635,"date":"2013-01-24T13:13:53","date_gmt":"2013-01-24T12:13:53","guid":{"rendered":"http:\/\/drakespeak.de\/?p=635"},"modified":"2013-01-24T13:13:53","modified_gmt":"2013-01-24T12:13:53","slug":"adel-verfichtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drakespeak.de\/?p=635","title":{"rendered":"Adel verfichtet"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Gastkommentar von Peter Punk-Ratz, vom anarchistischen Baum-Klub Potsdam:<\/em><\/p>\n<p>Man muss sich das mal vorstellen, wie das sein muss. Ein Leben, zugebracht in einer kleinen Kate im Wald. Kein Strom, keine Toilette, \u00fcberhaupt kein flie\u00dfendes Wasser. An zivilisatorischen Errungenschaften nicht mehr als ein kleiner Ofen aus Gusseisen, Teller, Tasse, Topf, Messer und Gabel. Man muss sich das mal vorstellen. Keine Menschen, also auch keine Zuneigung und Liebe, keine Worte, keine Ber\u00fchrungen. Nur Pflanzen, Tiere, Wind und Wetter.<br \/>\nUnd diesen Mann, der f\u00fcr 40 Jahre so dahin gelebt hat, den wollen sie jetzt holen und ins Gef\u00e4ngnis stecken. Wegen Landfriedensbruch und Wilderei soll ihm der Prozess gemacht werden. Das muss man sich mal vorstellen.<\/p>\n<p>Dieser Mann hei\u00dft Hageborn und ist 72 Jahre alt. Ich hab ihn einmal zuf\u00e4llig auf einer meiner Wanderungen durch die Mark Brandenburg getroffen. Er sprach leise, aber daf\u00fcr, dass er zu jenem Zeitpunkt seit sieben Jahren keine Menschenseele mehr getroffen hatte, sehr klar und deutlich artikuliert. Der wusste Geschichten zu erz\u00e4hlen, da k\u00f6nnen sich andere nur die sieben Finger nach lecken. Aber hallo. Zum Beispiel hat Hageborn mal ein Kaninchen \u00fcber den Harz getragen. L\u00fcder nannte er es. Keine Ahnung was das f\u00fcr ein bl\u00f6der Name ist. Aber das muss man sich mal vorstellen. 100 Kilometer und weiter mit dem Kaninchen durch die W\u00e4lder und die ganze Zeit nur von Schnaps und Beeren gelebt. An dem Kaninchen hat er sich gar nicht vergriffen, wie andere das getan h\u00e4tten. Aber das wird ja in den Artikeln \u00fcber den Mann nicht erw\u00e4hnt, was der alles geleistet hat, f\u00fcr W\u00e4lder und Auen und den ganzen Kack. Stattdessen wird nur gehetzt. Weil irgendein Waldbaron sagt: Das wollen wir hier nicht. Stoppt die Wilderei, stoppt die Landstreicherei. Wo leben wir denn hier eigentlich?, frag ich da. Ist doch nicht das 13. Jahrhundert, also Mittelalter.<\/p>\n<p>In der Zeitung, aber die ist ja im Grunde auch im Besitz von den Waldbaronessen und -baronen, da schreiben sie nat\u00fcrlich, dass Hageborn ein dreckiger Rumtreiber ist und rohe Tiere bei lebendigem Leibe verzehrt und, dass diese Tiere sich im Besitz vom Freiherrn von Gutzumberg bef\u00e4nden. F\u00fcr Hageborn gibt es solchen Besitz an Tieren, Land und Pflanzen aber nicht. Die Unverletzlichkeit des Heims, die erkennt er an, denn, auch das hat Hageborn mir damals in der Mark erz\u00e4hlt, bei Nacht und Dunkelheit, wenn es kalt ist und der Herbstwind das tote Laub durch die Gr\u00e4ben fegt, dann braucht man einen Platz sich sicher zu f\u00fchlen. Hageborn w\u00fcrde auch niemals einen Fuchs bei Nacht aus seinem Bau ziehen und aufessen, Hageborn ist ein fairer J\u00e4ger. Und das ist immerhin mehr, als man von manch anderem behaupten kann.<\/p>\n<p>Gutzumberg sagt jedenfalls, dass Hageborn ihn (also Gutzumberg h\u00f6chstselbst) attackiert haben soll und hat jetzt die Polizei eingeschaltet. Seit gestern morgen durchk\u00e4mmen diese von uns bezahlten Ordnungsh\u00fcter das von-gutzumbergsche Land nach Hageborn. Ohne pers\u00f6nlich dabei gewesen zu sein, vertrete ich die Ansicht, dass von Gutzumberg Hageborn in der Aus\u00fcbung seiner, f\u00fcr ihn ja lebensnotwendigen, Jagd hat behindern wollen. Hageborn h\u00e4tte sich in diesem Fall nur zur ihm zustehenden Wehr gesetzt.<\/p>\n<p>Dass die Polizei, dass unser Staatsapparat sich nun gegen ein freies Individuum wendet ist ein Skandal ohnegleichen und eine ungeheure Verschwendung von Steuergeld.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastkommentar von Peter Punk-Ratz, vom anarchistischen Baum-Klub Potsdam: Man muss sich das mal vorstellen, wie das sein muss. Ein Leben, zugebracht in einer kleinen Kate im Wald. Kein Strom, keine Toilette, \u00fcberhaupt kein flie\u00dfendes Wasser. An zivilisatorischen Errungenschaften nicht mehr als ein kleiner Ofen aus Gusseisen, Teller, Tasse, Topf, Messer und Gabel. 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