Polizei, NA, SA – eine zweifelhafte Polemik zum Thema Raumfahrt

Ein Gastkommentar von Peter Punk-Ratz, vom anarchistischen Raum-Klub Aschaffenburg:

Auf der Straße steht ein Mann, der sagt, dass wir jetzt den Mars und das ganze Sonnensystem besiedeln werden. Alles nur weil die NASA dort angeblich einen Roboter mit Rädern und Fotoapparat auf die Oberfläche geworfen hat. Toll! Ich meine, it’s not rocket-science, is it?
Erstmal sollte man mit beiden Beinen auf dem Mond zu stehen kommen, dort eine ständige Basis einrichten und regelmäßige, für alle erschwingliche Flüge zu günstigen Verbundstarifen anbieten. Solche Dinge. Dann kann man meinethalben auch über die Erforschung des Mars’ nachsinnen.
Der Mann auf der Straße will von solchen Dingen natürlich nichts hören. Er meint, dass es jetzt höchste Eisenbahn ist, weil Ende des Jahres die Welt untergeht, von wegen Maya-Kalender und so. Na, das will ich sehen, wie die feinen Herrschaften von E- und NASA das bis dahin hinkriegen!
Prost!

Brico

Disclaimer: 1. Brico ist ein Kater, 2. Die folgenden Zeilen haben einen leicht bolschewistischen Anschlag. Wer mit Katzencollagen nicht zurecht kommt, der sollte also nicht weiterlesen.

Ach ja, der Franz, wie er da der kleine Ruinenbewohner hat sein wollen in den Bergen oder am See ((Tagebücher, 1910, ~Juli/6. August/September?)), das kann ich gut nachfühlen. Auch wie ihm seine Erziehung, der Billeteur, eine ganz bestimmte Köchin, einige, denen er nur einmal auf der Gasse begegnet ist, wie die ihm in manchem sehr geschadet haben; ich meine es zu spüren.
Hundert Jahre ist das her und doch glaubt man, sie alle noch zu sehen die Billeteure, Schulmeister und Tanzstunden-Mädchen von damals. Mittlerweile mögen manche andere Namen und Uniformen tragen, der Billeteur, das ist mir/heute vielleicht so ein euribormanipulierender ((Euribormanipulation – irres Wort)), hochdekorierter Tie-Fighter/hochangesehener Schlipsträger; jene von der Gasse vielleicht Scripted-Reality-Konsumenten (mithin auch BILD-Leser ■). Doch da sind sie. Und die Ruine, das Efeulager, das Unkraut guter Eigenschaften auch.
In den Bergen oder am See. Es ist noch Raum da oben, an der Spitze. Aber erstmal heißt’s Lächeln lernen. Lächeln und töten ((John Lennon/Plastic Ono Band, A/4, 1970)). Dann gibt’s auch nen schicken Revolver und immer Sonntags freut man sich auf den Ruhestand in der Ruine.

Taedium Vitae

Im Farbenmeer des neomedialen Allerleis ist die Fadesse auf prominentem Sendeplatz vorprogrammiert. Wo’s nurmehr bunt, kariert und neongrell zugeht, da kann’s kaum weniger öd sein als im rauschenden Grau des toten vierten Kanals von vor 1984.

Unter meinem Herzen nistet eine hässliche Möwe. Sie sucht zu tirilieren ((wieso die Rechtschreibkontrolle das Wort “tirilieren” kennt, entzieht sich meiner Kenntnis.)), kreischt aber nur heiser von der kalten See; Frisst liegengebliebene Pommfritzen und die vergangene, goldene Zukunft.

Hab mich im Sande verlaufen. Folge seit Stunden schon meiner eigenen Spur und weiß  spätestens seit der dritten Runde, dass das meine eigenen Fußstapfen sind, da vor mir im Sediment. Kann mich aber nicht länger an diesem Gedanken aufhalten. Ist ja doch alles egal, denn auf Sonne folgt auch immer wieder Regenschein.

70% Steigung

Abstieg
finde meine Sprache nicht … von dichten, klebrigen Fäden umgeben zwar / unverwoben aber und ohne Struktur … kein Mythem mehr, keine Träume – schon lange nicht.
Das Gehirn ist mir übersäuert. Drei, vier, fünf Absätze, dann Dunkelheit: Kellertreppe. Wie leicht bricht man sich da ein Bein.
Einzig die Spinne weiß wohin die Reise geht, sie lebt hier unten und auch wenn ihre Fäden noch keine Textur sind (mehr ein großräumiges Hexenspiel) ist doch bereits klar, dass sie die Schlinge mir längst um den Hals gelegt…

Untergang
Anton Fohl steht das Wasser mittlerweile buchstäblich bis zum Hals, denn sein Schiff sinkt und er ist allein auf weiter See. Es ist Abend und die Wolken ziehen, geformt wie Streptokokken, über den Himmel. Längst ist nur noch der Mastkorb zu sehen, längst hat Anton sich mit seinem Schicksal abgefunden. Als die Sonne am Horizont entschwindet, da muss er schwimmen.

Aufstieg
Ich lebte zu jener Zeit in einem dreckigen, schimmligen Kellerloch. Es gab ein Waschbecken und eine modrige alte Matratze. An einem kleinen Fenster sah man die Füße unzähliger Menschen vorbeiziehen. Tausende, jeden Tag. Wenn man das Fenster öffnete, wehten Smog, Schmutz und Abfall herein. Aber was soll ich sagen, die Miete (140 Mark im Monat) war günstig, ich hatte einen Tisch, elektrisches Licht und vor allem meine Schreibmaschine.
Fünf Romane schrieb ich in jenen drei Jahren, schickte sie an Verlage und kassierte Absage um Absage. Ich fühlte mich wie Snoopy, wie er sich in eine dunkle, stürmische Nacht wagt und doch immer und immer wieder nichts als Ablehnung erfährt.
Schließlich ging dann aber doch noch die Sonne auf und mit meinem ersten Vorschuss war ich in der Lage endlich in eine richtige Wohnung im Souterrain zu ziehen.

22. Juli
Manchmal beim Aufwachen, denke ich, dass alles gut ist. Für kurze Zeit bin ich dann wieder Ich.
Aber mit den Träumen zerfasert auch die Kontur, es verlaufen sich die Farben zur planen, grauen Fläche, bis ich wieder der Schatten bin.

23. Juli
Gut am Schattendasein:

  • Man sieht meine heruntergezogenen Mundwinkel nicht.
  • Man sieht meine Tränen nicht.
  • Bei Nacht kann ich mich gut verstecken.

Schlecht am Schattendasein:

  • Ich kann zu keinem sprechen.
  • Ich bin unselbständig.
  • Bei gutem Wetter ist mein Elend besonders deutlich zu erkennen.

Als Schatten kann ich Ich, das dreckige Seelentier, überleben.

24. Juli
Ich stirbt noch. Ich frisst Nudeln. Ich hat ein Schaf gerissen auf weiter Flur.
Ich ahnt, dass er sterben muss.

25. Juli
Ich ist schwach. Heult, flennt, fleht: Stirbt.

(durch ironischen Titel extrem aufgewerteter, zugleich aber zweifelsfrei unkünstlerischer) Kitsch

Rotes Laub, wie’s vom Himmel fällt:
Wir zwei stehen da

und sprechen vom Träumen.
Dir ist das ein dunkles Ross,
bei mir bloß Gürteltierfreuden;

So wird uns klar:
Wir sind füreinander.

Die Zeiten verstreichen,
Du erwächst,
ich stagnier tapsig,
wendest Dich ab
und ich bleibe stehen,
als am Himmel

das blutrote Laub:
seiner Wege weht.

versuchen, sich: 1: s. in Vollkommenheit v.

Was hab ich Dich verachtet, weil Du Egozent und Arschloch bist. Weil ein Sprachspiel Dir nur aus den Regeln, nicht dem Zwischenraum besteht.
Was habe ich geliebt, wie Du mir optruiertest wie man Leben lernen soll. Was habe ich geliebt, wie meine Seele Du berührtest.
Was habe ich gehasst, wenn meine Sprache Du verachtet und stumpf nicht zugehört.

Und heute wünschte ich, ich selber wäre so. Einer der im Glauben, an Regeln, Religion und Reisen, an Kapital, Konsum, Kismet sein Schicksal gottesfürchtig hegte⁰. So bin ich aber nicht.

Zu lange habe ich das Licht […] und damit: Dunkelheit.

Nun gehe ich, die Augen bleiben, denn ich brauche sie nicht mehr.

Den Zettel legte ich vor mir auf den Tisch. Ein letzter Blick ins Kerzenlicht (Melancholie, Sentimentalität, “wunderschönes Kerzenlicht” – Scrap Brain Zone, Fetzengehirn). Dann die kalte Klinge (Schmerz, Dunkel, Schmerz, SCHMERZ, Fetzengehirn). Das vorbereitete Eis in die gefühlt leeren Höhlen (kalt).

Im Dunkel gewinnen die Fetzen neue Kontur. Was vorher eine indifferente Masse, eine Menge der man mit “much” nicht “many” Herr zu werden versucht, ist, wird jetzt Stück für Stück spürbar. Alles wird Sprache und hat Kanten und ist erfühlbar. Endlich vermag ich die Regeln so fein herauszuarbeiten, dass sie wie Puzzleteile ineinander fallen, sich verschränken und vor allem keinen Raum mehr zur Diskussion lassen.

»Maybe we can eventually make language a complete impediment to understanding.«, Hobbes¹

[tbc]

 



0:  F (a.d.H.)
1: 25.01.1993

Tagebuch

Montag: Quantentheoretische Überlegungen angestellt. Wenn die Zeit nur eine Illusion ist, was ist dann die Materie? Unruhige Träume.

Dienstag: Viele Tränen, später Currywurst mit Pommes und eine Flasche Weißwein. Tag im Eimer. Traumlose Nacht.

Mittwoch: Die Nachricht vom Tod eines alten Freundes erreicht mich auf Umwegen, ich bin sprachlos. Grauer Staub strömt mir aus der Seele.

Donnerstag: Aufregende Träume über Seeungeheuer. Beim Kaffee beunruhigt mich eine Freundin mit Berichten aus dem Kaukasus. Wird der Krieg dort heiß, sagt sie, sind wir hier auch nicht mehr lange sicher.

Freitag: Ein schwerer Arbeitstag voll Schweiß und Ehre. Die Kollegen veralbern mich wegen meines theatralischen Auftritts, ich aber versäume keine Gelegenheit mich zu profilieren. Der Abend geprägt von Wein, Weib und Gesang. Traumloser, alkoholisierter Schlaf.

Samstag: Ausflug in den Stadtwald. Die Kinder freut’s, Eleonora und ich schweigen uns an. Es ist nichts mehr wie es war, seit diesem Sommer vor drei Jahren.

Sonntag: Im Café beschreibe ich P. die Ambrosiusfunktion. Er ist skeptisch, will sich die Sache aber einmal ansehen. Wilder Wind auf dem Heimweg.

Traumtagebuch (9)

Eine junge Frau ist dem Tode geweiht. Um ihr schlimme Schmerzen zu ersparen, beschließt ein Wissenschaftler, dass sie – an einen speziellen Apparat angeschlossen – eine Kupfermünze lutschen soll. Dadurch soll der Tod schnell und schmerzlos herbeigeführt werden. Britische Pennies seien für den Vorgang besonders gut geeignet, sagt er.

Noch aber ist Zeit. Wir liegen nebeneinander auf dem Fußboden, sie ganz ruhig, ich todtraurig. »Gut, dass die Spanier jetzt nicht hier sind.«, sagt sie. Ich weiß nicht wen sie meint und sage deshalb nichts. Das ganze Verfahren ist total illegal und kriminell.

Später wird sie auf eine Bahre gelegt und an metallene Apparaturen angeschlossen. Sie will zusammen mit einigen Büchern eingeäschert werden. Unter anderem den »Brüdern Löwenherz« , »Momo« und der Autobiographie eines Mannes der Böncher heißt. Welches davon wohl ihre Bibel ist? Ausdrücklich nicht mitverbrannt werden soll Joachim Gaucks Plädoyer »Freiheit«. Auch habe S. noch einige Bücher vorbeibringen wollen, aber das sei jetzt egal, sagt sie.

Zum Abschied küsse ich ihre Stirn, dann schaltet der Wissenschaftler die Geräte ein.